Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
Wallfahrt Hall Tirol

   Bitte installieren Sie den Flash Player und aktivieren Sie Javascript.

Meditation

Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
MEIN HERZ IST BEREIT

1. Wir öffnen das Lexikon und finden unter dem Buchstaben „H“ den Namen von Luise Hensel (1798-1876). Wir erfahren, dass sie die Tochter eines protestantischen Predigers war und 1818 konvertierte. Der Dichterin verdanken wir das bis heute beliebte Abendgebet: Müde bin ich, geh‘ zur Ruh‘, schließe meine Äuglein zu. Wir werden ferner darüber belehrt, dass sie Umgang mit der seligen Anna Katharina Emmerich hatte und mit Clemens Brentano befreundet war. Das Geheimnis ihres Lebens ist anscheinend nicht leicht zu deuten. Unbedingt muss aber hervorgehoben werden, dass sie durch einige Jahre ihres Lebens auch als Lehrerin in Aachen wirkte: Die Tatsache, dass 19 ihrer Schülerinnen ins Kloster gegangen sind, macht nachdenklich, erst recht, wenn man das Zeugnis einer dieser Berufenen vernimmt: Nach dem Unterricht fühlte man sich zum Martyrium bereit… - Nichts gegen die ausgefeiltesten Lehrpläne und gegen den Einsatz modernster Lehrmittel! Doch hier begegnet ein Phänomen, das betroffen macht – die Herzensglut des Lehrenden.

2. Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit, ich will dir singen und spielen (Ps 57,8 und Ps 108,2). Die Überschrift des 57 Psalmes verweist auf die Situation des Verfassers: Ein Psalm Davids, als dieser vor Saul in die Höhle floh (v.1). In überaus schmerzlicher, ja aussichtsloser Lebenslage das Lob Gottes zu singen, ist nicht jedermanns Sache, denn das Herz eines ungerecht Verfolgten, der sich mitten unter Löwen lagern muss, die gierig auf Menschen sind (v.5) ist in der Regel von anderen Emotionen erfüllt. Die sieghafte Gnade aber machte David zum Martyrium bereit und willens, Gott vor den Völkern zu preisen (v.10) – ungeachtet des eigenen Schicksals und der Erhörung gewiss. Zweifellos „grenzt“ eine solche Seelenhaltung nicht allein ans Wunderbare; sie stellt bereits in sich ein Wunder dar. Darum verzichtet die Kirche in einem Seligsprechungsverfahren auf das göttliche Zeichen eines Wunders, wenn das Martyrium eines Dieners Gottes nachgewiesen werden kann. Es stellt schon in sich selbst ein Wunder dar. Es gibt keine größere Liebe, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt (Joh 15,13).

3. Der erwähnte Psalm muss aber auch und nicht zuletzt auf Christus hin gedeutet werden. Er ist der neue David, und sein Herz ist nicht minder von Bereitschaft erfüllt wie jenes des königlichen Propheten. Das Gebet Christi am Morgen seines irdischen Lebens bringt diese Bereitschaft zum Ausdruck: …einen Leib hast du mir geschaffen… Da sagte ich: Ja, ich komme …, um deinen Willen, Gott zu tun (Hebr 10,5f.). Dem Willen des Vaters übergeben und ungeachtet aller Kosten, geht er mit Entschlossenheit den Weg, der von Anfang an den Kalvarienberg zum Ziel hat.

Ein erstes Bereitsein bildet sich auch in den Herzen seiner Jünger, was Thomas mit den Worten bezeugt: Lasst uns mit ihm gehen, um mit ihm zu sterben (Joh 11,16), und wenig später beteuert Petrus, er sei bereit, mit Jesus sogar ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. Das Gleiche sagten auch alle anderen Jünger (Mt 26,35). Wir wissen, dass sich diese Bereitschaft damals auf eigene Kraft zu stützen suchte und deshalb gescheitert ist.

Der Herr aber ist wirklich bereit. Die wahre Bereitschaft ist jene zum Martyrium. So fragte seinerzeit der Bischof von Metz, Dupont des Loges (1842-1886), jene, die das Priestertum anstrebten: Bist du bereit ins Gefängnis zu gehen? Es ist dies eine in Christus gründende Leidens- und Liebesbereitschaft, die in eklatantem Gegensatz zu aller kirchlichen Wehleidigkeit steht.

Groß steht der Herr da als unser Lehrer: Lernt von mir! Jene, die gut gelernt haben, werden – in Abwandlung – gerne bekennen: Nach seinem Unterricht fühlt man sich zum Martyrium bereit.

P. Dr. Ildefons Fux OSB
Wallfahrtskomitee Hall in Tirol
P.Dr. Ildefons Fux OSB
Maria Roggendorf 27
2041 Wullersdorf
Tel. 02953 / 2589