Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol

Meditation

Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
Betrachtung zum Liedttext: Mein Jesus, in dein Herz hinein

Geistliche Konferenz P. Bernhard Hauser OSB am 29.8.2020 in Hall

Es gibt viele Konferenzen auf der Welt und für eine solche Konferenz sind wir heute sicher schon zu müde. Aber eine geistige Konferenz meint Zusammenkommen.

Sie haben auf einem Zettel das Lied bekommen „Mein Jesus in dein Herz hinein“ mit 8 Strophen. Wir werden es nicht singen. Die Burgenländer haben eine andere Melodie als die Niederösterreicher, da würden wir durcheinander kommen.

Aber wir können es mit nach Hause nehmen, durchlesen und es auch als Gebet benützen:

Mein Jesus in dein Herz hinein..

Vielleicht werdet ihr zu Hause gefragt, warum redet ihr immer vom Herzen Jesu? Würde es nicht genügen von Jesus zu reden, es geht ja um seine Person?

Aber vielleicht ist es deshalb so wichtig das Herz zu betonen, damit wir aus Jesus nicht irgendeine Idee machen. Es ist immer die Gefahr von der Sache Jesu zu reden, von seinen Geboten, von seinen Vorschriften, von seiner Lehre. Wenn wir vom Herz Jesu reden, meinen wir keine Lehre, keine Vorschriften, sondern ihn ganz persönlich als unseren Freund.

Im heutigen Kalender steht der Hl. Johannes der Täufer, er hat auf Jesus gezeigt: „ Das ist das Lamm Gottes.“ Dann sind viele Jünger von Johannes Jesus nachgegangen, nachgelaufen könnte man fast sagen. Johannes hat immer weniger Jünger gehabt und Jesus immer mehr. Einer hat zu Johannes gesagt: „Schau, deine Jünger gehen jetzt alle zu Jesus. Ist das nicht schade?“ Da hat ihm Johannes diese wunderbare Antwort gegeben: „Ich bin nur der Brautführer, er ist der Bräutigam.“ Jesus als Freund, Jesus als Bräutigam.

Es geht um Ihn, nicht um eine Sache, nicht um eine Lehre, nicht um irgendwelche Ideen, sondern um Ihn als Mensch. Stellen wir uns die schönste Freundschaft unseres Lebens vor. Genauso dürfen wir Jesus in die Augen schauen, genauso dürfen wir uns von Ihm anschauen lassen und uns von Ihm lieben lassen.

Johannes der Täufer spricht vom Bräutigam, einen Bräutigam hat man in der Regel nur einen. Wir haben in einer Pfarre im Weinviertel 50 Jahre Ehe-Jubiläum gefeiert und der dortige Pfarrer hatte das 40-jährige Priesterjubiläum. Da habe ich in meiner Predigt das Wort von Johannes dem Täufer erzählt, dass wir Priester nur die Brautführer sind. Wir sollen die Leute nicht zu uns führen, an uns binden und an uns hängen. Wie der Brautführer die Braut nicht für sich behält weil er sie dem Bräutigam zuführen soll. - Nachher bei der Agape haben wir ein bisschen Wein getrunken und da kam eine Frau zu mir und sagte: „Das gefällt mir, Jesus als Bräutigam. Wie ist das bei euch Männern, Jesus da als Bräutigam zu sehen, das kann ich mir nicht gut vorstellen.“ Ich habe ihr dann versucht zu erklären, dass Jesus ganz wahrer Mensch ist, aber er ist auch Gott. Und dann ist wieder alles ein bisschen anders als in einer menschlichen Freundschaft. Wenn Jesus Gott ist, dann heißt das, dass Ihm nichts fehlt, dass Er alles hat und dass Er uns alles schenken kann, dass Er der Schenkende ist. In einer menschlichen Ehe ist es sicherlich so, dass beide einander etwas geben und dass beide voneinander etwas empfangen.

Aber es ist auch immer so, dass der Bräutigam der Zeugende der Schenkende, die Braut die Empfangende ist. Gott gegenüber sind wir alle Empfangende. Wir alle sind bedürftig, wir brauchen so viel, es fehlt uns so viel. Er kann uns all das geben, was uns fehlt und er kann uns mehr geben, was wir uns wünschen, mehr als wir uns vorstellen können. Ihm gegenüber sind wir alle Empfangende, Bedürftige und Er ist der Schenkende. Er will eine Freundschaft auf Augenhöhe. Er erwartet auch etwas von uns.

Was können wir Jesus geben, der nach seiner Auferstehung König des Himmels und der Erde und des Universums ist, dem alles gehört? Alles im Himmel und auf Erden ist Ihm vom Vater übergeben. Was können wir Ihm dann geben? Er hat ja schon alles. Und doch, Er erwartet von uns Trost. Wie soll das ausschauen? Er will uns viel mehr geben, als wir uns vorstellen können, aber wir sind meistens nicht empfangsbereit. Wir haben zu wenig Fassungskraft, unser Gefäß ist zu klein. Er möchte viel mehr geben, als wir aufnehmen können. Das was wir Jesus geben können, wo wir Ihm Freude machen können, wo wir Ihn trösten können, ist, wenn wir uns immer mehr bemühen, bereit zu sein, das anzunehmen, was Er schenkt und unser Fassungsvermögen erweitern, für das was Er uns schenken will. Damit kann Er uns mehr geben kann, Er kann uns das geben, was er uns geben will. Zumindest im Laufe der Zeit immer mehr. Wir machen ihm die größte Freude, wenn wir empfangsbereit sind, wenn wir ihm erlauben, uns zu beschenken.

Ich habe schon öfter darunter gelitten und an Weihnachten fürchte ich mich davor, wenn die Leute einem etwas schenken, was eigentlich nur eine Belastung ist. Es kommt ja auch bei Liebespaaren vor, dass einer sagt: „Ich liebe dich so, wie ich es haben will. Wie ich mir das Ganze vorstelle.“ - Eine echte Liebe ist das nicht. Echte Liebe versucht herauszufinden, was der andere braucht, was der andere will. Nicht das, ich gerade will, was mir gerade gefällt. Wisst Ihr, Ehen gehen daran zugrunde, dass er meint, er liebt sie, aber nicht achtet, was sie wirklich braucht. Und genauso müssen wir bei Jesus auch immer vorsichtig sein. Ist das was wir immer ausdrücken, das was er sich von uns erwartet? Oder wünscht er sich etwas ganz anderes?

Mein Jesus in dein Herz hinein - es ist hier die Rede von den Bitten, von den Sorgen, von unseren Sünden, von unseren Mitmenschen, von unseren Leiden, Freuden und Pflichten.

Wie kann man so etwas in sein Herz hinein legen? Wie legt man etwas in das Herz eines anderen? Ich glaube, wir müssen nur daran denken, wann ist etwas in unserem Herzen drinnen: wenn wir darüber dachdenken, wenn es uns nicht kalt lässt, wenn es uns bewegt, wenn es uns berührt. Wir erwarten also, dass Jesus berührt wird, von unseren Bitten, Sorgen, Freuden, Leiden, vor allem von unseren lieben Mitmenschen. Das heißt es, in Jesu Herz hinein zu legen. Wenn Sie morgen zu Hause dieses Lied wieder durchlesen, vielleicht jeden Tag eine andere Strophe, so wie es Ihnen möglich ist, dann denken Sie daran, Jesus will Ihr Freund sein. Er will sich mit mir so verhalten, wie ein Bräutigam zu seiner Braut. Er will mir viel schenken und Er erwartet nur das eine, dass ich mich beschenken lasse. Dass ich herausfinde, wie Er geliebt werden will, was Er gerade von mir erwartet. Wir drängen Ihm nicht unsere eigenen Wünsche auf, sondern versuchen, Seine Wünsche zu entdecken und Seine Wünsche immer besser zu erfüllen. Wer kann uns dabei besser helfen als Maria, sie hat es immer genau verstanden, was Jesus gedacht hat, was Er gefühlt hat.

Bitten wir Maria gerade im Rosenkranz, dass wir empfänglich werden, uns von ihm beschenken lassen und wirklich ein Trost für Jesus sein können.

(Tonbandmitschrift)
Wallfahrtskomitee Hall in Tirol
P.Dr. Ildefons Fux OSB
Maria Roggendorf 49
2041 Wullersdorf
Tel. 02953 / 2430-33