Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol

Herz-Jesu-Wallfahrt 2025 – Hall in Tirol

Msgr Leo Maasburg  - Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
Predigt von Msgr. Dr. Leo Maasburg am 23. August 2025
Gelobt sei Jesus Christus! In Ewigkeit! Amen!

Als ich gestern hier in die Kirche kam, zum ersten Mal, ist mir eines sofort aufgefallen: die ausgebreiteten Hände Jesu, die ausgebreiteten Hände. Aber gestern war gleichzeitig Anbetung. Und da war in diesem Raum hier unten das Allerheiligste in einer wunderschönen Monstranz ausgesetzt. Die meisten von Ihnen haben es gesehen. Und da ist mir eine Erinnerung aufgekommen, die manche von Ihnen vielleicht auch geteilt haben.

Ich weiß nicht, ob jemand von Ihnen schon in Lanciano war. Das ist gleich neben Manoppello, und dort ist das viele, viele Jahrhunderte alte eucharistische Wunder. Und die beiden Spezies, der Leib und das Blut Christi, werden dort aufbewahrt, die durch einen – Dank sei Gott – ungläubigen Priester, der von der Realpräsenz nicht überzeugt war, der das geschenkt bekommen hat, dass sich das in seiner Gegenwart verwandelt hat. Und seit über 1.300 Jahren ist das dort aufgehoben. Inzwischen ist es untersucht worden, und wie ich dort davor gekniet habe, habe ich gesehen: die Hostie, da war nur noch der äußere Rand übrig – so wie ein Rahmen. Und da hab ich mir gedacht: Ja, das sind wahrscheinlich die 1300 Jahre, das ist ausgetrocknet, und das ist wahrscheinlich ganz morsch geworden. Und in meiner endlosen Weisheit habe ich gedacht, das ist einfach die Entwicklung. Aber das hat nicht gestimmt, das war nicht wahr.

1971 und 1973 sind die Spezies untersucht worden. Das ist lebendiges Fleisch, lebendiges Blut. Aber das lebendige Fleisch ist das Fleisch eines Herzmuskels. Es ist ein Schnitt durch den Herzmuskel. Und warum ist es hohl? Weil unser Herz hohl ist. Das heißt, ein Schnitt durch das Herz muss nur den äußeren Rand zeigen. Und genau so ist es in Lanciano bei dem Herzmuskel Jesu, der aus der Eucharistie entstanden ist, der uns dort die wirkliche Gegenwart seines Herzens zeigt. Nicht nur seine, sondern die Gegenwart seines Herzens – ganz offen, ganz hohl. Fast möchte ich sagen, offen, um von unseren Sünden durchbohrt zu werden. Und zwar ganz unaufmerksam würde ich sagen oder ganz unauffällig, weil unser ganzes Leben unauffällig ist. Unser ganzes Leben ist ein Gehen hin auf diese offenen Hände Jesu. Und diese Jahre, die wir dahin wandern, oder dahin stolpern sehr oft, sind eigentlich nichts anderes als Lehrjahre – Jahre, in denen wir Schritt für Schritt, Schichte für Schichte, Erfahrung für Erfahrung, vielleicht sogar Sünde für Sünde, lernen, wer wir sind, wer wir selbst sind und lernen, wofür wir berufen sind, wenn wir die Gnade des Glaubens geschenkt bekommen haben.

Wozu sind wir berufen? Wir sind berufen auf ein Leben in Gott, auf ein Leben in diesem Herzen unseres Herrn und Gottes. Unser Lebensweg hat eine große Aufgabe: uns himmelfähig machen. Uns so zu gestalten, dass wir uns im Himmel wohlfühlen, dass wir wissen, wie wir miteinander im Himmel umgehen. Das große Problem einer dysfunktionalen Gesellschaft, in der wir leben, was ist das größte Problem, das wir haben? Die Gewalt. Das klingt vielleicht etwas erstaunlich, ist es auch; weil unsere Gesellschaft, unsere ganz und gar christlich geprägte Gesellschaft, diese Gewalt mehr und mehr in den Griff bekommen hat. Als äußeres Zeichen, ich glaube vor 20 Jahren gab es einmal einen Spruch: Die Polizei – dein Freund und Helfer. Wir haben das staatliche Gewaltmonopol. Nur der Staat darf nach den Gesetzen und nach den Richtersprüchen Gewalt ausüben. Alle andere Gewalt ist nicht erlaubt, ganz kleine Ausnahmen bei der Notwehr. Das heißt, unser tiefstes Problem spiegelt sich in der Gesellschaft wider. Und je mehr der christliche Gehalt, je mehr – man könnte sagen – diese christliche Watte, die christliche Einbettung unserer Gesellschaft zurückgeht, desto mehr wird die Gewalt wieder in den Vordergrund kommen. Dazu braucht man kein großer Prophet sein und braucht nur die Geschichte beobachten. Und diese Geschichte hat uns gezeigt, dass wir aus einem ganz gewalttätigen Kulturmilieu kommen. Ich erinnere an Genesis: Die erste Geschichte nach dem Sündenfall war … ein Mord! Sofort. Die weiteren Geschichten waren Revanche, Blutrache, Vergeltung, wie-du-mir-so-ichdir. Wie du mir, so ich dir, das kommt übrigens aus dem Codex Hammurabi, ungefähr 1300 v.Chr. und war eine Begrenzung dieser unbeschränkten Gewalt der Vergeltung. Das war schon eine Begrenzung. Ich darf nicht dem anderen, so wie es Lamech sagt, für eine Strieme töte ich ein Kind. Das ist nicht mehr erlaubt. Der Codex Hammurabi begrenzt das auf Auge-um-Auge, Zahn-um-Zahn. Ich darf mich nur so rächen, wie ich selbst beschädigt worden bin. Wunderbar! Ganz ein zivilisatorisch großartiger Schritt.

Und was sagt Christus? Wie oft muss ich vergeben? Siebenmal siebzigmal. Immer. Das heißt, unser Ziel ist ein gewaltfreies Herz. So, wenn Sie jetzt alle ein bisschen in sich hinein denken, haben Sie so ein gewaltfreies Herz? Ist es so leicht, ein gewaltfreies Herz zu haben? Wenn man im eigenen Leben zurückschaut, ist dort eine Person oder eine Situation, mit der ich nicht total versöhnt bin? Wenn ich an diese Person denke oder an diese Situation denke, dann krampft sich in mir etwas. Dann weiß ich, ich bin noch nicht versöhnt. Dann weiß ich, die Gewalt hat noch immer Spuren in meinem Herzen hinterlassen. Obwohl ich vielleicht jeden Sonntag oder vielleicht sogar jeden Tag in die Heilige Messe gehe – und trotzdem sind Spuren dieser Gewalt immer noch in meinem Herzen. Dabei, was bringe ich denn in der Heiligen Messe zur Opferung – wenn nicht genau das Opfer des Verzeihens? Das Verzeihen ist nicht leicht. Es dreht sich einem der ganze Magen um. Wenn man denkt, was man alles verzeihen muss.

Vielleicht tröstet der Gedanke ein wenig, dass vielleicht auch die anderen uns etwas zu verzeihen haben. Weil, ganz so Engel sind wir doch noch nicht. Und die Gewalt hat ja ihre Ursprünge, hat ja ihre Ursachen. Und diese Ursachen liegen in unserem Herzen, nicht nur im Herzen des anderen. In unserem Herzen. Deswegen betet der Priester – und wir werden es heute wieder beten und ich lade Sie ein, Ihr ganzes Herz der Gewalt dort abzuladen: Betet, Brüder und Schwestern, dass mein und euer Opfer Gott, dem allmächtigen Vater gefalle.

Das Herz Jesu ist nicht nur da oben. Das Herz Jesu steht ganz nahe vor uns und will jeden von uns umarmen. Das Herz Jesu war vollkommen gewaltfrei, vollkommen. Das muss man sich einmal durchdenken, wie oft er verletzt worden ist. Es beginnt eigentlich schon mit seiner Menschwerdung. Er, der in der Form Gottes war, hielt nicht daran fest, Gott gleich zu sein, sondern exinanivit, hat sich selbst zerquetscht, wie Stanniol-Papier zusammen gedrückt, und ist uns Menschen ähnlich geworden. Ein Sklave, uns Menschen ähnlich. Der erste kleine Tod war der Tod der Menschwerdung. Er, der König der Könige, der in jedem Palast hätte wohnen können, ist in einer Krippe zur Welt gekommen, in einem Stall. Er, der der Lehrer der Völker war, der von Ewigkeit her seinen Plan verwirklicht hat und die Menschen hingelenkt hat auf seinen Plan – besonders das ganze Alte Testament ist ein Hinlenken auf sein Kommen – er wird von seinen eigenen Leuten verraten, verkauft, nicht verstanden, abgelehnt und schließlich und endlich gekreuzigt. Wie viel Gewalt ist in diesem Design der Liebe Gottes als Antwort der Menschen enthalten?

Wie viel Gewalt geben wir zurück, wenn wir die Liebe Gottes, die wir in reichem Maß immer und immer wieder empfangen haben, nicht zumindest im Schweigen zurückgeben? Zumindest in dem Willen: Herr, hilf du mir! Gib du mir dein Herz, sodass ich so verzeihen kann wie du es tust. Man kann sagen, der höchste Ausdruck dieser Gewaltlosigkeit des Herrn, der ja nur die Basis der Liebe ist, drückt sich am Kreuz aus, wenn er sagt: Vater, vergib ihnen. Sie wissen nicht, was sie tun! Warum hat uns Jesus erlöst? Junge Leute sagen immer wieder: Durch Tod und Auferstehung, durch Tod und Leid hast du die ganze Welt erlöst. Was heißt denn das? Durch Tod und Leid hast du die ganze Welt erlöst. Warum hat er uns durch Tod und Leid erlöst? Warum haben uns die 22.000 Juden, die die Römer zwischen dem Jahr 33 und dem Jahr 71 gekreuzigt haben – 22.000 Juden – warum haben uns die nicht erlöst? Was unterscheidet den Friedenswillen, die Güte Gottes, von der Einstellung des Menschen? Die Liebe! Ganz einfach, diese Gewaltlosigkeit ist ein Zeichen der Liebe.

Liebe Brüder und Schwestern, das gilt genauso für uns! Wir können unsere Liebe nur dadurch ausdrücken, dass wir die Gebote Gottes halten. Was ist das neue Gebot, das uns Christus gibt? Ein neues Gebot gebe ich euch. Liebet einander so, wie ich euch geliebt habe. Wie hat er uns geliebt? Bis zum Kreuz. Er hat nichts, nichts, und auch gar nichts uns vorgehalten. Er hat uns die Wahrheit gelehrt, aber er hat uns keinen Vorwurf gemacht für uns selbst. Jesus nimmt jeden von uns ohne Vorwürfe an, wenn wir zu ihm kommen. Und zwar genau so, wie wir sind, heute, hier. Aber er liebt uns so sehr, dass – wenn wir bereit sind – er mit uns einen neuen Lebensweg geht. Und zwar von jedem Moment an, wo immer wir sind, jeden neuen Tag. Da gibt es im säkularen Bereich das schöne Bild des GPS. Die Älteren werden das nicht so oft erlebt haben, aber die Jungen werden es wissen. Wenn ich mit dem GPS falsch fahre, was passiert? Das GPS berechnet sofort einen neuen Weg. Gott ist genauso. Es gibt keine Sünde, die nicht sofort vergeben ist, in dem Moment, wo wir uns an ihn wenden. Wir Katholiken haben da noch das Geschenk der Beichte, wo wir uns ein bisschen darauf konzentrieren können, und wo dann das Vergeben zugesagt ist. Aber das ist der Ausdruck unserer Liebe für unsere Brüder und Schwestern, das ist genau das: dass wir versöhnte Menschen sind. Dass wir keine Vorbehalte haben.

Und ich weiß, jetzt wird der eine oder andere sagen, das ist unmöglich. Das stimmt. Menschlich gesehen ist es unmöglich. Schwere Verletzungen, besonders Verletzungen aus der Kindheit, können wir gar nicht aufarbeiten. Eine ganze Berufsgruppe verdient ihr Leben damit, dass wir das versuchen aufzuarbeiten. Zum Verzeihen. Jesus sagt auch nicht am Kreuz: Ich verzeihe euch allen. Sondern was sagt er? Vater, vergib ihnen. Sie wissen nicht, was sie tun. Er arrogiert sich nicht das Verzeihen, sondern er weiß, dass jedes Verzeihen aus der Tiefe des Seins Gottes kommt. Dass Gott in seiner Barmherzigkeit pures Verzeihen ist. Deswegen ist es auch ganz sicher, dass Gott niemanden in die Hölle schicken wird. Oho, neue Häresie? Keiner in der Hölle? Nein, ich habe nur gesagt, dass Gott keinen in die Hölle schicken wird.

Sie erinnern sich an das Jüngste Gericht. Was ist denn dort passiert? Ich war hungrig, und ihr habt mir zu essen gegeben – die erste Gruppe. Die andere – ich war hungrig, und ihr habt mir nicht zu essen gegeben. Ich war durstig, und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben. Wann haben wir dich hungrig und durstig und krank und im Gefängnis gesehen und haben dich nicht besucht? Was ist dem geringsten eurer Brüder nicht getan habt, das habt ihr auch mir nicht getan. Und dann kommt der schreckliche Satz: Und sie gingen weg. Gott schickt niemanden weg. Das Herz Jesu schickt niemanden weg. Aber wir können uns von ihm abwenden – im Geheimnis unserer Freiheit. Wir können von ihm weggehen. Und das ist per Definition die Hölle.

Wenn wir uns auf ihn ausrichten, wenn wir versuchen, das zu leben, was er gelebt hat, oder wie der Heilige Paulus sagt, ihm erlauben, in uns zu leben, dann ist die vollkommene Versöhntheit sicherlich der erste Beginn. Warum? Weil sie die Basis, weil sie der Untergrund der Liebe ist. Ich kann nicht hassen und lieben zugleich. Ich muss meinen Hass mehr und mehr in die Hände Gottes legen, weil er nur dort aufgehoben ist. Und in diesen leeren Raum wird Gott das Geschenk seiner Liebe legen.

Mutter Teresa, als sie 82 Jahre alt war, hat sie gesagt: Eine Sünde, die ich nie habe beichten müssen, war, dass ich jemanden verurteilt hätte. Wie schön, wenn man das sagen kann. Dabei hat sie dazu gesagt: Ich sehe sehr wohl, was gut ist und was falsch ist. Aber ich bemühe mich, ganz aufmerksam, ganz intensiv, nicht zu urteilen. Das ist nicht unsere Aufgabe. Das Urteilen stößt den anderen aus meinem Leben weg. Das Urteilen stellt ihn in eine Ecke, aus der ich ihn vielleicht nie mehr herausholen will. Im Englischen sagt man go to hell. Geh zur Hölle! Man schickt ihn gleich dorthin, wo man ihn haben will. Und das ist ganz tief in uns verankert. Das ist unsere Natur, das ist unsere gefallene Natur.

Ich glaube, es war Sigmund Freud, der einmal gesagt hat, ich bin durch meine Forschungen zu der Überzeugung gekommen, dass wir in unserem Unterbewusstsein alle ein Rotte von Mördern sind. Das hat er begründet, weil wir für die kleinsten Verletzungen den anderen schon wegschicken, in den Tod schicken. Und dann hat er gesagt: Das kann ich Ihnen aber ruhig sagen, weil Ihr Bewusstsein wird Ihnen nie erlauben, das zu glauben.

Der gefallene Mensch ist tief gefallen. Er ist nicht ganz kaputt. Er ist nicht ganz schlecht, aber er ist tief gefallen. Und Jesus ist in diese Tiefe hinabgestiegen, um uns heraufzuziehen, um uns an sein Herz zu ziehen. Um uns in diesen Platz hineinzuziehen, den er in seinem Herzen geschaffen hat. Nur dort sind wir geborgen, und nur dort können wir eine Ewigkeit ausharren.

Wie wichtig es ist, himmelfähig zu werden, das ist wohl jedem klar, der einen ersten Schritt auf den Herrn zugemacht hat. Wir wissen, dass wir ein ganzes Leben lang daran arbeiten werden. Manche werden schon hier ganz himmelfähig. Ich muss gestehen, wenn man zum Beispiel eine Heilige Mutter Teresa gesehen hat, dann hat man einen Hauch des Himmels erfahren. Eine Fröhlichkeit, eine Seriosität, einen Ernst, eine Unbeschwertheit, eine Geborgenheit. Ich habe mir immer gedacht, warum fühlt man sich so wohl in ihrer Umgebung? Und die Antwort, die ich heute gebe, ist: weil sie dich nicht verletzt hat. Weil du keine Angst haben musstest, verletzt zu werden. Sondern weil du gewusst hast, sie wird alles tun, was sie kann, um dich zu bergen, um dir eine Heimat zu geben, um dich angekommen, zu Hause sein zu lassen. Und wie viele Häuser hat sie geschaffen? An ihrem Todestag waren es 592, wo sie Menschen bergen wollte. Sie hat in Kalkutta ein Haus für die Sterbenden gemacht. Das war kein Sanatorium, das war nicht einmal eine Ambulanz. Sondern es war nur ein Haus, wo sie den Menschen, die sonst in der Gosse gestorben wären, die Gnade, das Geschenk, machen wollte, geliebt und umsorgt sterben zu können. Und einer der Sterbenden hat das einmal ausgedrückt und hat gesagt: Mutter Teresa, ich hab mein Leben lang wie ein Tier in der Gosse gelebt. Jetzt sterbe ich geliebt und umsorgt wie ein Engel. And he died with a beautiful smile. Und er ist mit einem wunderschönen Lächeln gestorben, hat sie dazu gesagt. Genau das wollte sie. Sie wollte den Menschen in diesem Leben schon diese Geborgenheit bei Gott geben.

Das können wir, jeder von uns kann dem Nächsten zu seiner Rechten, zu seiner Linken die Geborgenheit schenken. Die Geborgenheit von mir, ich werde versuchen, mit der Hilfe Gottes, mit seiner Gnade, dich nicht zu verletzen. Im Gegenteil, ich werde versuchen, mit der Gnade Gottes dich zum Herzen Jesu zu führen. Das ist eigentlich die Berufung, die wir erkennen, wenn wir in diese Kirche kommen. Der Herr wartet, der Herr hat die Arme offen.

Das ist genau die gegenteilige Haltung von dem, was die heutige Gesellschaft predigt. Wir müssen kämpfen, wir müssen uns bewähren, wir müssen eigentlich wie Boxer sein. Wir dürfen ja nicht aufmachen. Denn wenn wir aufmachen, wenn Boxer aufmachen, dann ist er schon K.O. Sondern wir müssen uns immer gut verteidigen und möglichst dem anderen – noch bevor er uns verletzt – schnell noch eine hineingeben. Ich glaube, die Leute, die im Geschäftsleben stehen, wissen, wovon man redet.

Also das ist leider die gefallene Gesellschaft. Aber was uns Jesus bringt, ist das offene Herz, die offenen Arme. Ich möchte diese kurzen Gedanken mit einer persönlichen Erfahrung ergänzen oder beenden, weil vielleicht mancher sagt: Ja, aber wenn ich zu Jesus hinkomme, was wird er dann mit mir tun für meine ganzen vergangenen Sünden? Davor braucht man sich nicht fürchten. Das habe ich selber gelernt. Ich war einmal – noch als katholischer Heide – in Fiecht hier bei Schwaz und musste damals sehr viel studieren für Abschlussprüfungen. Ich bin jeden Tag spazieren gegangen und jeden Tag an der Kirche vorbei gekommen – aber nie hineingegangen. Und eines Tages komme ich wieder vom Spaziergang zurück und habe so das Gefühl: Jetzt geh einmal in die Kirche hinein! Und dann habe ich mir gedacht: Warum soll ich in die Kirche gehen? Ich war sehr viele Jahre nicht in der Kirche. Ja, du kannst ja schauen, ob sie vielleicht restauriert worden ist. Also gut, das ist eine gute Ausrede. Ich gehe in die Kirche hinein. Tatsächlich, sie ist restauriert worden. Ich habe noch dazu gedacht: mit deutschem Geld. Auch das hat gestimmt. Das habe ich damals aber nur geahnt. Und ich geh hinein, und da war – genauso wie hier – so ein Gitter, und man konnte nicht nach vorne gehen. Und da stand eine Kniebank. Und plötzlich habe ich das Gefühl gehabt: Jetzt knie dich nieder! Und ich hab mir gedacht: Warum soll ich mich da niederknien? Und ich schaue so herum, aber es war kein Sessel dort, keine Sitzmöglichkeit. Also gut, wenn man sich nicht hinsetzen kann, dann knie ich mich halt hin. Da habe ich mich hingekniet und plötzlich habe ich das Gefühl gehabt: So, und jetzt gib dein Leben Jesus! Nein, nein, nein, nein, nein, das lieber nicht! Denn da krieg ich zu viele Watschen für mein vergangenes Leben. Und in dem Moment, wo ich das gedacht habe, habe ich genau gespürt: Gut, dann gib dein Leben der Mutter Gottes. Sie wird dich denselben Weg führen – aber ohne Watschen. Und ich habe gesagt: Ja. Ich bin aufgestanden und hinausgegangen. Und ich weiß, das war der Beginn eines ganz neuen Lebens.

Wir leben unser Leben nicht alleine. Wir leben es in der Gemeinschaft der Heiligen, in der Gemeinschaft Jesu, der Gottesmutter und aller Heiligen. Und wir können uns darauf verlassen, dass sie uns zu entscheidenden Momenten, in Momenten wichtiger Entscheidungen, besonders wie wir im Gegrüßet-seist-du-Maria beten, in der Stunde unseres Todes begleiten, bei uns sind und alles das, was wir aus unserer menschlichen Schwäche nicht leisten können, trotzdem mit uns durchgehen. Damit wir alle zu ihm kommen, der seine Arme ausgebreitet hat, und sagen können: Gelobt sei Jesus Christus! In Ewigkeit! Amen.
Wallfahrtskomitee Hall in Tirol
P. MMag. Josef Haspel OSB
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