Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
Wallfahrt Hall Tirol

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HERZ-JESU-WALLFAHRT
25. August 2018

BV Christoph Casetti - Herz-Jesu-Wallfahrt Hall in Tirol
Dompropst Lic. theol. Christoph Casetti, Chur.
Herz-Jesu-Predigt

Die Herz-Jesu-Verehrung ist seit der Mitte des vorletzten Jahrhunderts zunehmend in eine Krise geraten. Im Zeitalter der liturgischen Reform hat man sich von der gefühlsbestimmten Frömmigkeit des 19. Jahrhunderts und von ihren Symbolen entschieden abgewandt. Wer von uns hat nicht schon bei der Besichtigung einer schönen romanischen oder gotischen Kirche eine weisse Herz-Jesu-Statue aus Gips gesehen, um sie so bald als möglich zu übersehen. Von den älteren Gläubigen wird der Empfang der hl. Kommunion am Herz-Jesu-Freitag noch geschätzt. Aber das Herz Jesu gehört schon lange nicht mehr zu den Themen der kirchlichen Verkündigung und Katechese.

Papst Leo XIII. hat die Welt dem göttlichen Herzen geweiht. Er nannte die Herz-Jesu-Verehrung "die Summe der ganzen Religion und die Wegweisung zum vollkommenen Leben". Es kann nun nicht darum gehen, diese Frömmigkeit in den Formen des vorletzten Jahrhunderts nostalgisch wiederzubeleben. Wir müssen vielmehr versuchen, sie neu zu begründen, indem wir uns besinnen auf die wesentlichen Aussagen der Kirche und ihrer Überlieferung.

Drei Elemente, wie sich die Herz-Jesu-Verehrung begründen lässt, möchte ich erwähnen. Ich habe sie gefunden in Überlegungen, die der damalige Kardinal Joseph Ratzinger beim Herz-Jesu-Kongress 1981 in Toulouse vorgetragen hat. 1. Die Herz-Jesu-Verehrung gründet in der Menschwerdung Gottes.
2. Die Sinne und das Gefühl haben eine Bedeutung für die Frömmigkeit
3. In der Bibel und bei den Vätern gibt es eine im Herzen zentrierte Frömmigkeit.

1. Die Herz-Jesu-Verehrung gründet in der Menschwerdung Gottes. Das Herz gehört zur Leiblichkeit des Menschen. Der Leib steht nicht äusserlich neben dem Geist. Der Leib ist das “Bild” des Geistes. Im Leib sagt der Geist sich selber aus. Der Leib ist der Ausdruck der Person. In ihm kann man das Unsichtbare des Geistes sehen. Wenn die Person Bild Gottes ist, dann ist 2 der Leib zugleich der Raum, in dem sich das Göttliche abbildet und anschaubar wird. Die Bibel hat daher von Anfang an das Geheimnis Gottes in den Bildern des Leibes und der ihm zugeordneten Welt dargestellt. Dass Gott sich in der Bibel der menschlichen Sprache bedient, ist gleichsam schon eine vorweggenommene Menschwerdung. Doch erst die Menschwerdung des Sohnes Gottes gibt dem Menschen und der sichtbaren Welt ihre eigentliche Bedeutung.

Die Menschwerdung ist auf das Ostergeheimnis hin angelegt. Gott wird Mensch, damit der Mensch göttlich wird. Das Schauen des Unsichtbaren im Sichtbaren ist ein österlicher Vorgang. Der ungläubige Thomas muss sehen und berühren, um glauben zu können. Er legt seine Hand in die geöffnete Seite des Herrn und nun, im Berühren, erkennt er das Unberührbare und berührt es doch wirklich. Er schaut das Unsichtbare und sieht es doch wirklich. Wir alle sind Thomas, der Ungläubige. Aber wir alle können wie er das blossgelegte Herz Jesu anrühren und dabei den menschgewordenen Gott selbst anrühren, anschauen und so, Hand und Auge auf dieses Herz gerichtet, zum Bekenntnis gelangen: "Mein Herr und mein Gott."

2. Die Sinne und das Gefühl haben eine Bedeutung für die Frömmigkeit. Der Feier der Liturgie genügt nicht. Sie muss vorbereitet und begleitet werden von meditativem Verweilen. Dann beginnt das Herz zu schauen und zu verstehen und so werden auch die Sinne in das Schauen des Herzens einbezogen; denn "nur mit dem Herzen sieht man gut", lässt Saint-Exupéry seinen kleinen Prinzen sagen.

Es gibt die Grenzen des Verstandes, die Mystik des Dunkels, wo nur noch die Liebe sieht. Es wird aber auch ausdrücklich zu einer sinnenhaften Frömmigkeit eingeladen. Sie entspricht der Leibhaftigkeit der gottmenschlichen Liebe Jesu Christi. Sinnenhafte Frömmigkeit ist wesentlich Herzensfrömmigkeit; denn im Herzen einen sich die Sinne und der Geist. Dazu kommt noch ein weiteres Motiv der Herz-Jesu-Verehrung. Das Herz ist Ausdruck für die Leidenschaften und die Passion des Menschseins überhaupt. Das Leiden Christi setzt Leidensfähigkeit, es setzt die Kraft der Empfindungen voraus. Gott kann leiden, weil er die Liebe ist. Im Herzen Jesu lassen sich seine Passionen zusammenfassend darstellen. Sie rechtfertigen und begründen, dass auch in die Beziehung des Menschen zu Gott das Herz, d.h. die Fähigkeit des Fühlens, die Emotionalität der Liebe einbezogen werden muss.

3. Die im Herzen zentrierte Frömmigkeit hat auch vom Wort “Herz” her einen Anhalt in der Bibel und bei den Vätern.

Im Alten Testament ist 26mal vom Herzen Gottes die Rede. In ihm zeigt sich der Wille Gottes, an dem der Mensch gemessen wird. Das 11. Kapitel des Buches Hosea kann man als "das Hohe Lied der Liebe Gottes" bezeichnen. Es spricht vom Umsturz der Liebe im göttlichen Herzen zu Gunsten seines Volkes. Gottes Zorn verkehrt sich in Mitleid. Statt das verdiente Gericht erfährt Israel Gottes Erbarmen. Trotzdem bleibt Gottes Gerechtigkeit unangetastet. Warum? Das wird erst im Neuen Testament offenbar. Der Umsturz des Herzens besteht darin, dass nun Gott selbst im seinem Sohn die Verstossung Israels ausleidet. Gott selbst nimmt das Schicksal der zerstörten Liebe auf sich. Er tritt in Jesus an den Platz des Sünders und gibt den Platz des Sohnes damit von neuem für uns Menschen frei. Das durchbohrte Herz des Gekreuzigten ist die wörtliche Erfüllung der Prophetie vom Herzen Gottes, das seine Gerechtigkeit durch Mitleid umstürzt und gerade so gerecht bleibt.

In den Bekenntnissen des hl. Augustinus spielt das Wort vom "Herz" eine wichtige Rolle. Der hl. Hieronymus sagt einmal, nach griechischen Philosophen sei das Gehirn das Zentrum des Menschen, nach Christus aber sei es das Herz.

Die stoische Philosophie hat den Vätern der Kirche geholfen, von der Bibel her das Menschenbild neu zusammenzufassen. Sie denkt sich den Menschen als Mikrokosmos in genauer Entsprechung zum Makrokosmos. Wie die Sonne die Mitte des Kosmos ist, ist das Herz die Mitte des Leibes. Im Anschluss daran kann der Kirchenvater Origenes mit dem Wort ‘Herz’ eine tiefere Schicht des geistigen Daseins benennen. In dieser vollzieht sich eine unmittelbare Berührung mit dem Göttlichen vollzieht. Im Herzen geschieht die Vereinigung des Menschen mit dem persönlichen und menschgewordenen Wort Gottes. So ist es ganz richtig, wenn wir zum Beispiel die Erstkommunionkinder lehren, dass Jesus bei der Kommunion in ihr Herz kommt.

Es gibt allerdings einen wichtigen Unterschied zur stoischen Philosophie. Für diese ist die Aufgabe des Herzens die Selbsterhaltung. Das durchbohrte Herz Jesu hat auch diesen Gedanken wahrhaft umgestürzt. Dieses Herz ist nicht Selbsterhaltung oder gar Selbstverwirklichung, sondern Selbstpreisgabe, Selbsthinage. Es rettet die Welt, indem es sich öffnet. Der Umsturz des geöffneten Herzens ist der Inhalt des Ostergeheimnisses, das wir in jeder Eucharistiefeier vergegenwärtigen und erneuern. Das Herz rettet, ja, aber es rettet, indem es sich verschenkt. So ist im Herzen Jesu die Mitte des Christentums vor uns hingestellt. In ihm ist alles gesagt, das wahrhaft umstürzend Neue, das im Neuen Bund geschieht.

Liebe Brüder und Schwestern, dieses Herz ruft unser Herz an. Es lädt uns ein, aus dem vergeblichen Versuch der Selbstdarstellung und Selbstverwirklichung herauszutreten und im Mitlieben, im Verschenken unserer selbst, in der Selbsthingabe an ihn und mit ihm die Fülle der Liebe zu finden, die allein Ewigkeit ist, die allein die Welt erhält und uns ganz glücklich machen kann. Amen.
Wallfahrtskomitee Hall in Tirol
P.Dr. Ildefons Fux OSB
Maria Roggendorf 27
2041 Wullersdorf
Tel. 02953 / 2589